Titanic Report

Die Titanic unterwegs im Atlantik

Seekarte

Seekarte (Wikimedia Commons)

D ie Titanic war bereits seit vier Tagen (von insgesamt 6 ½ Tagen Reisezeit) auf dem Atlantik auf ihrem Weg nach New York. Das exakte Datum war Sonntag 13. April 1912.
Das Licht erlosch um 23 Uhr in vielen Kabinen, Ausnahme waren all diejenigen Passagiere, die noch ein letztes Glas trinken oder Bridge spielen wollten. Das Kartenspielen war eigentlich generell am Sonntag auf den Schiffen der Reederei „White Star“ verboten, aber man machte eine Ausnahme, weil dies die Jungfernfahrt der Titanic war.
Auch Alfred Fernand Omont begab sich ins „Cafe Parisien“. Dieses Cafe war vor allem bei jüngeren Passagieren sehr beliebt, da es bis spät in die Nacht geöffnet hatte. Die Decken und Wände waren mit Holzvertäfelungen verziert, an den Wänden rankten sich Grünpflanzen empor. Von hier aus konnte man entweder über die hintere Treppe zur Ersten Klasse oder aber ins Restaurant gelangen. Auch konnte man das Promenadendeck (oder A-Deck, nur für Passagiere der Ersten Klasse) überblicken.
Im „Cafe Parisien“ fand Alfred Fernand Omont drei Mitspieler zu einer Partie Bridge. Am Tisch saßen die beiden Franzosen Paul Chevre, ein berühmter Bildhauer und gerade auf dem Weg nach Quebec, um dort die von ihm geschaffene Statue Sir Wilfrid Lauriers, des Ex-Premierministers von Kanada, zu enthüllen, und Pierre Maréchal, Leiter einer Luftfahrgesellschaft, als dritter Mann der Amerikaner Lucien P. Smith, dessen Frau sich bereits in ihre Kabine zurückgezogen hatte.

Cafe Parisien

Café Parisien (Wikimedia Commons)

M itten im Spiel durchfuhr um 23:40 Uhr plötzlich ein unerwartetes, leises Rütteln die Titanic. Das Schiff war mit einem Eisberg kollidiert.

Alfred Fernand Omont und die beiden französischen Mitspieler schilderten nach der Schiffskatastrophe diese Situation der französischen Zeitung „Le Matin“. Die „New York Times“ übernahm diese Schilderung am 20. April 1912:
„Die drei Franzosen spielten gerade Bridge mit Mr. Smith aus Philadelphia, als sich mit lautem Krachen und Knistern eine Eismasse vor die Fenster schob. Während sie an Deck eilten, quälte sie große Ungewissheit, was vorgefallen war, aber die Unruhe legte sich bald. Denn einer der Offiziere antwortete einer fragenden Dame in humorvollen Ton: `Keine Angst, wir schneiden nur einen Wal in zwei Stücke!´“

Zeichnung

Titanic. Zeichnung François Omont

Z u diesem Zeitpunkt neigte sich die Titanic um 5 Grad in Richtung Bug, was man in der ersten Stunde nicht sonderlich ernst nahm. Ein rasches Sinken des „unsinkbaren“ Schiffes schlossen die meisten Passagiere zu diesem Zeitpunkt noch aus.

Weitere Details gab Alfred Fernand Omont im Mai 1912 in seiner Zeugenaussage für den Britischen Untersuchungsausschuss zu Protokoll:
„Um 12:30 Uhr sahen wir den Kapitän und den Ersten Offizier die Brücke hinaufgehen. Rund fünfzig bis sechzig Personen warteten besorgt und wollten wissen, was passiert sei. Der Kapitän kam mit dem Ersten Offizier zu uns, kaute auf einem Zahnstocher herum und erklärte, dass jeder seine Schwimmweste anlegen sollte – als reine Vorsichtsmaßnahme. Also ging ich zu meiner Kabine hinunter und legte meine Schwimmweste an. Dann ging ich zum Bootsdeck hoch - es war verdammt kalt. Ich ging daher nochmals zurück in meine Kabine, legte die Schwimmweste ab und zog mir einen Mantel an. Dann ging ich wieder hoch und legte meine Schwimmweste an. Ich befand mich auf dem Bootsdeck, wo ich sah, dass man einige Rettungsboote bereitstellte. Der Erste Offizier sah mich und fragte, ob ich einsteigen wolle. Einige Passagiere riefen mir zu, nicht einzusteigen - sie setzten großes Vertrauen in das Schiff. Ich sah, dass kaum Seegang war, und dachte, es wäre besser ins Boot zu springen und abzuwarten. Ich sprang zwei oder drei Meter hinunter und landete im Boot. Wir waren 29 Leute im Boot, das ohnehin nicht mehr als dreissig Leute hätte aufnehmen können. Ich bin persönlich der Meinung, dass es lächerlich wäre, sechzig Leute in einem Boot oder auf einem Floß aufzunehmen, wie manche meinen. (...)
Als wir rund 15 Meter bis zum Meeresspiegel heruntergefiert wurden, ließ ein Mann das Seil auf einer Seite viel lockerer, so dass das Boot beinahe umgekippt wäre. Dann ging es weiter nach unten, bis wir im Wasser aufsetzten. Zuletzt mußten wir sogar das Seil durchschneiden, um uns loszumachen.“