Titanic Report

Paris

I n seinem Büro in der Börse in Paris umgab sich Alfred Fernand Omont später mit seinen persönlichen Erinnerungsstücken an die Titanic. Dies waren zwei Spielkarten in einem Glasrahmen. Man sieht eine As Karo, signiert von den Spielern, dazu eine zweite Karte, die mit der Rückseite nach oben auf dem Papier befestigt war, zwischen diesen beiden Karten befindet sich ein Foto von einem Rettungsboot.

Fotorahmen

Fotorahmen mit den Spielkarten,
dazwischen das Rettungsboot. (Privatsammlung)

I n diesem Büro bewahrte A. F. Omont ein Zeitungsbild vom Kapitän Rostron auf, dessen Schiff Carpathia über 700 Menschen gerettet hatte.

Im Safe von Alfred Fernand Omont lag auch noch der Brief von der Mutter eines der acht Musiker der Bordkapelle, der Franzose war. Sie fragte den Adressaten, ob er zufällig ihren Sohn gesehen hatte, als das Boot unterging.

In Alfred Fernand Omonts Büro hing auch ein Foto mit Afroamerikanern, die weiße Baumwollbündel tragen. Des weiteren gab es eine Reihe von Fotografien, in denen markante Abschnitte seines Lebens vor der Heirat mit Isabelle-Marie Omont, geborene Chauny, festgehalten waren.
Auch ein Granatsplitter von einem Meter Länge wurde in seinem Büro auf dem Kamin aufbewahrt.
Denn Alfred Fernand Omonts Leben stand 1914 in Verdun ein zweites Mal auf dem Spiel, als er freiwillig am Ersten Weltkrieg teilnahm.
Traumatische Erinnerungen an diesen Krieg überlappten fortan die Erinnerungen an die Titanic, wie sein Sohn François Omont sich heute erinnert.
Auch die Überlebenden Greenfield und Blanc, ebenfalls im Boot Nr. 7 gerettet, sprachen nachweislich kaum über ihre Erlebnisse auf der sinkenden Titanic. War es das Schuldgefühl anstelle anderer Passagiere überlebt zu haben?

Familie Omont

Alfred Fernand Omont mit seinen drei Kindern und einem Nachbarjungen im Jahr 1933.

N ach dem Ersten Weltkrieg war Alfred Fernand Omont Holzimporteur, er bezog Holz aus den skandinavischen Ländern für den Wiederaufbau Frankreichs.
Er starb 1948 an den Folgen eines Gehirnschlags in der Pariser U-Bahn.

Dank an meine Frau Bénédicte Omont!
Peter Heigl, Nürnberg  Quellen:

The New York Times, April 20, 1912
The Daily Picayune, April 27, 1912
Zeugenaussage von Alfred Fernand Omont für den Britischen Untersuchungsausschuss, Mai 1912
Aufzeichnungen von Francois Omont über seinen Vater und die Titanic, 2007
Latitude 41, Nr. 28, Hrsg. Association Francaise du Titanic, A. F. Omont, zusammengestellt von Frank Gavard-Perret, 2006